Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung: Wie verhält es sich mit dem Nachfahren?

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Arten, wie die Polizei die Geschwindigkeit auf den Straßen zu regulieren versucht, gibt es viele: vom Radar über die Lichtschranke bis zur Laserpistole. Diese Verfahren ermöglichen eine exakte Messung. Doch es ist auch möglich, eine Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung festzustellen: durch Nachfahren. Wie funktioniert diese Methode genau?

Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung: Wie funktioniert das „Nachfahren“?

Die umgangssprachlich als „Nachfahren“ bezeichnete Technik, um eine Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung im klassischen Sinne herauszubekommen, heißt korrekterweise „Videonachfahrsystem“. In der Praxis verläuft dies, vereinfacht gesagt, so: die Polizei fährt dem zu schnell unterwegs gewesenen Fahrzeug (ob PKW, LKW oder Motorrad) hinterher und liest die Geschwindigkeit von ihrem Tacho ab.

Dieser auf dem Tacho angezeigte Wert bietet den Beamten zunächst einen Referenzwert, um die angezeigte Geschwindigkeit überhaupt erst einmal einordnen zu können. Das Polizeiauto versucht dabei jederzeit, in möglichst gleich bleibendem, geringem Abstand dem zu schnell gefahrenen Verkehrssünder zu folgen.

Wenn die Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung festgestellt werden soll, geht jedoch nichts ohne die zusätzliche, entsprechende Technik. Hierzu muss man sich das Nachfahrsystem genauer betrachten.

Ein technisches System, das tatsächlich die Bezeichnung „Videonachfahrsystem“ trägt, muss im Auto, das hinterher gefahren kommt, installiert sein. Dieses System erstellt dann eine Videoaufnahme vom „verdächtigen“ Verkehrsteilnehmer. (#01)

Ein technisches System, das tatsächlich die Bezeichnung „Videonachfahrsystem“ trägt, muss im Auto, das hinterher gefahren kommt, installiert sein. Dieses System erstellt dann eine Videoaufnahme vom „verdächtigen“ Verkehrsteilnehmer. (#01)

Die Technik des Videonachfahrsystems

Ein technisches System, das tatsächlich die Bezeichnung „Videonachfahrsystem“ trägt, muss im Auto, das hinterher gefahren kommt, installiert sein. Dieses System erstellt dann eine Videoaufnahme vom „verdächtigen“ Verkehrsteilnehmer. Ein im System verbautes Messgerät sorgt dann für eine Verbindung zwischen Videobild und dem Tacho. Denn exakt drei Werte sind wichtig wenn es darum geht, eine Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung in traditioneller Form, wie etwa dem Blitzer oder der Induktionsschleife, aufzudecken:

  • die Geschwindigkeit des Polizei- bzw. Einsatzwagens
  • der genau Abstand zwischen Einsatzwagen und zu schnell fahrendem PKW sowie
  • die Länge und Beschaffenheit jener Strecke, auf der die Messung stattfindet

Viele Verkehrssünder merken gar nichts von dieser Geschwindigkeitsmessung. Zum einen, da natürlich das charakteristische Aufblitzen einer Blitzanlagen ausgeblieben ist, zum andern da der nachfahrende PKW nicht unbedingt ein Polizeiauto mit Leuchtschild sein muss. Im Gegenteil: in den meisten Fällen ist der nachfahrende PKW sogar KEIN Polizeiwagen.
Wichtige Voraussetzung aber dafür, um die Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung bzw. anhand des Nachfahrsystems deutlich belegen zu können, ist ein geeichter Tachometer. Heißt: es muss überprüft werden, ob das Messgerät (hier: der Tacho) nach den gesetzlich vorgeschriebenen Vorgaben und – wie e im Eichgesetz heißt – „eichrechtlichen Vorschriften“ arbeitet.
Ganz zum Schluss werten die Beamten dann die Videoaufnahmen aus, um festzustellen, ob eine Übertretung der Geschwindigkeit vorlag und, wenn ja, in welcher Höhe.

Viele Verkehrssünder merken gar nichts von dieser Geschwindigkeitsmessung. Zum einen, da natürlich das charakteristische Aufblitzen einer Blitzanlagen ausgeblieben ist, zum andern da der nachfahrende PKW nicht unbedingt ein Polizeiauto mit Leuchtschild sein muss. (#02)

Viele Verkehrssünder merken gar nichts von dieser Geschwindigkeitsmessung. Zum einen, da natürlich das charakteristische Aufblitzen einer Blitzanlagen ausgeblieben ist, zum andern da der nachfahrende PKW nicht unbedingt ein Polizeiauto mit Leuchtschild sein muss. (#02)

Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung mit etlichen Fehlerquellen

Selbst wenn der Tacho geeicht ist und vorschriftsmäßig eingesetzt wird, kommt es bei der Geschwindigkeitsmessung mit diesem Verfahren, immer wieder zu erheblichen Messfehlern. Insofern kann man genau genommen bei der festgestellten Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung, also dem Videonachfahrsystem, auch nicht von einer „Messung“ im eigentlichen Sinn sprechen. Im eigentlichen Wortsinn nämlich spricht man bei einer Messung von einer exakten, genauen und fehlerlosen Bestimmung eines Wertes.

Dies ist für Auto-, LKW- und Motorradfahrer wichtig zu wissen, können sie doch gegen zu Unrecht erhobene Bußgeldbescheide oder gar ein verhängtes Fahrverbot, später oft erfolgreich vorgehen. Je ungenauer und nachlässiger die verantwortlichen Beamten bei der Arbeit mit dem „Videonachfahrsystem“ vorgegangen sind, desto besser die Aussichten, , dass der erkannte Geschwindigkeitsverstoß gerichtlich nicht haltbar ist.

Selbst wenn der Tacho geeicht ist und vorschriftsmäßig eingesetzt wird, kommt es bei der Geschwindigkeitsmessung mit diesem Verfahren, immer wieder zu erheblichen Messfehlern. (#03)

Selbst wenn der Tacho geeicht ist und vorschriftsmäßig eingesetzt wird, kommt es bei der Geschwindigkeitsmessung mit diesem Verfahren, immer wieder zu erheblichen Messfehlern. (#03)

Die häufigsten Fehlerquellen bzw. „Unsicherheitsfaktoren“ sind ein

  • defekter bzw. nicht voll funktionsfähiger Tacho
  • falsch geeichtes bzw. justiertes Tachometer
  • menschlicher Fehler beim Ablesen
  • Fehler, der sich durch Veränderung des Abstands ergibt

Aufgrund dieser möglichen Fehler und Ungenauigkeiten, bekommen die zu schnell Gefahrenen bei der festgestellten Geschwindigkeitsübertretung ohne Messung, eine höhere Toleranz zugestanden. Antworten auf die drängendsten Fragen aus dem betreffenden Bereich des Verkehrsrechts, auch und vor allem auch zum Thema „Videonachfahrsystem“, gibt es u.a. auf iww sowie dem Bußgeldkatalog.


Bildnachweis:© Fotolia-Titelbild: ambrozinio-#01:Starpics -#02: pix4U -#03: Gerhard Seybert

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About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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